EWA'S PLACE
Dezember 24 / Januar 25
Zwischen Leinwand
& Emotion
Ich habe Laura Julia in ihrer gemütlichen Wohnung in Hamburg getroffen, die eine wunderschöne Terrasse mit Blick aufs Wasser bietet. Der Raum ist von einer inspirierenden Atmosphäre erfüllt – an den Wänden hängen ihre eigenen Kunstwerke. Man spürt sofort, dass dies ein Ort ist, an dem Kreativität und Ruhe aufeinandertreffen. Wichtig zu erwähnen: Laura Julia nennt sich bewusst so und nicht Laura Modzelewski. Unter dem Namen "Art by Laura Julia" signiert sie ihre Werke mit den Initialen "LJ", was ihre persönliche künstlerische Identität zusätzlich betont.
Ewa: Laura Julia, du bist in einer Familie aufge- wachsen, in der Kunst eine lange Tradition hat. Wie hat diese kreative Atmosphäre deine künst- lerische Entwicklung beeinflusst?
Laura Julia: Die kreative Umgebung meiner Kind- heit hat definitiv eine tiefe Spur in mir hinter- lassen. Schon früh war Kunst immer präsent, besonders durch die Gemälde meiner Mutter. Sie hat mich besonders ermutigt, mich kreativ auszu- drücken. Diese ständige Begegnung mit Kunst hat mir geholfen, meine eigene Sprache zu entwickeln, und schon als Kind habe ich mich in der Malerei ausprobiert. Es war einfach natürlich für mich, Kunst zu schaffen.
Ewa: Du hast erwähnt, dass deine Mutter eine wichtige Rolle dabei gespielt hat, dich zur Malerei zu ermutigen. Wie kam es zu deinem ersten großen Leinwandprojekt, und was hat dieser Moment für dich bedeutet?
Laura Julia: Das war tatsächlich
ein Wendepunkt. Bis dahin habe ich viel auf Papier oder in Skizzen- büchern gemalt, aber die Leinwand wirkte für mich lange einschüch- ternd. Eines Tages hat mir meine Mutter eine große Leinwand ge- schenkt und quasi "vor die Nase ge- stellt". Es war nicht geplant, weder von ihr noch von mir. Es passierte ganz spontan, dass sie mich auf- forderte, diese Leinwand zu füllen. Ich war nervös, doch dann habe ich einfach angefangen zu malen und bemerkte gar nicht, wie schnell sich die Leinwand füllte. Stunden ver- gingen, bis meine Mutter wieder in den Raum kam, und das Bild hatte schon Gestalt angenommen. Dieser Moment hat etwas in mir verändert. Es fühlte sich an, als hätte ich end- lich das richtige Medium gefunden, um mich auszudrücken. Von da an habe ich angefangen, groß zu den- ken, und das hat meinen Stil grundlegend geprägt.
Ewa: Deine Werke reichen von abstrakten Kompositionen bis hin zu leicht figurativen Motiven. Wie entscheidest du, welche Technik oder welchen Stil du für ein bestimmtes Werk verwendest?
Laura Julia: Das ist meistens ein intuitiver Pro- zess. Oft beginne ich ein Werk ohne konkreten Plan und lasse mich von meiner Stimmung, den Farben oder der Energie des Moments leiten.
Es gibt Tage, an denen ich mich von der Frei- heit des Abstrakten angezogen fühle, weil es mir ermöglicht, Emotionen und Gedanken ohne Einschränkungen auszudrücken. Dann gibt es Momente, in denen ich mehr Struktur brauche, und das zeigt sich dann in figurativen Elemen- ten. Es hängt also sehr davon ab, was ich in diesem Moment ausdrücken
möchte.
Ewa: In deinen abstrakten Werken steckt oft eine starke emotionale Kompo- nente. Wie schaffst du es, Gefühle durch Farben und Formen so eindrucksvoll zu vermitteln?
Laura Julia: Farben haben für mich eine starke emotio- nale Bedeutung. Jeder von uns verbindet bestimmte Farben mit bestimmten Ge- fühlen, und ich nutze diese
Assoziationen in meinen Arbeiten. Wenn ich eine intensive Emotion ausdrücken will, greife ich zu kräftigen, dominanten Farben. Weichere, gedecktere Töne stehen oft für nachdenkliche oder ruhigere Stimmungen. Die Formen und Strukturen, die ich verwende, ergänzen diese Emotionen und verstärken sie, sodass sie in den Raum getragen werden.
Ewa: Du sprichst oft von der Verbindung zu deinen Betrachtern. Was erhoffst du dir, dass Menschen empfinden oder denken, wenn sie deine Kunst sehen?
Laura Julia: Meine größte Hoffnung ist, dass die Betrachter eine persönliche Verbindung zu meinen Werken finden. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen und Gefühle mit, wenn er Kunst betrachtet, und das finde ich unglaublich spannend. Ich möchte, dass meine Werke als eine Art Spiegel fungieren – sie sollen die Menschen dazu anregen, über ihre eigenen Emo- tionen und Gedanken nachzudenken. Vielleicht entdecken sie dabei sogar etwas Neues über sich selbst. Besonders wichtig ist es mir, Gefühle als Moment- aufnahmen einzufangen. Wenn sich jemand in meine Werke hineinverset- zen und die dargestellten Emotionen nachempfinden kann, habe ich mein Ziel erreicht.
Ewa: Welche Ziele verfolgst du mit deiner Kunst in Zukunft? Gibt es be- stimmte Projekte oder Themen, die dich aktuell besonders interessieren?
Laura Julia: Ich möchte auf jeden Fall weiterhin experimentieren und meine Grenzen ausloten. Es gibt so viele Tech- niken und Materialien, die ich noch aus- probieren möchte. In Zukunft möchte ich mich auch stärker mit Installationen und interaktiver Kunst auseinandersetzen, um die Verbindung zum Betrachter noch intensiver zu gestalten. Was Themen betrifft, fasziniert mich aktuell besonders der Einfluss von Technologie auf unsere Wahrnehmung von Realität
und Emotion. Ich möchte zudem mit Farben spielen, größere Projekte an- gehen und detaillierte Empfindungen, Momente und Auren in meinen Werken einfangen.
Ewa: Vielen Dank für das spannende Gespräch, Laura Julia! Wir sind gespannt, wohin deine künstlerische Reise dich noch führen wird.
Laura Julia: Danke, Ewa! Es hat mir viel Spaß gemacht, über meine Arbeit und meine Leidenschaft zu sprechen.
Artikel: „Zwischen Leinwand und Emotionen“
Dieser Artikel wurde mit Genehmigung von Verlag Ewa Stark UG übernommen. Ursprünglich veröffentlicht in EWA'S PLACE, Ausgabe Dezember 24 / Januar 25, am 01.11.2024.